10 Jahre

S201
S201 wird 10 Jahre alt!
10 Jahre Musik im und aus dem Ruhrgebiet. 10 Jahre voll mit frischer Musik, Freundschaften, Tanz und Theater. Lachen, Weinen, Feiern, Hinterfragen, Neugier.
Angefangen im Raum, natürlich, S201. Der Unterrichtsraum für Komposition und Neue Musik der Folkwang Universität der Künste. Wir beschlossen ein Ensemble zu gründen, unabhängig von einem Besetzungsdogma, einfach weil wir mit Musik experimentieren wollten. Repertoire in dieser Besetzung gab es nicht. Also mussten neue Werke geschrieben werden. Für uns war klar: Mit S201 wollen wir Musik im Ruhrgebiet spielen und vor allem mit Menschen aus dem Pott zusammenarbeiten. Egal ob jung, alt, unbekannt oder bekannt. Dazu auch ein Gegenpol setzen zu den Neue-Musik-Metropolen wie Köln und Berlin.
Wer in Essen eine Neue-Musik-Szene will, muss sie selbst sein. Wer hier Neue Musik Konzerte veranstaltet, baut sich das Fundament selbst – Abend für Abend. Essen hat Stahl, Kohle und Strukturwandel. Es gibt Menschen, die pragmatisch sind, weil sie es sein mussten. Das bedeutet: Ein Konzert mit S201 war selten selbstverständlich. Kein bürgerliches Stammpublikum, das pflichtbewusst erscheint. Keine Förderlogik, die Neue Musik als gesellschaftliche Verpflichtung versteht. Stattdessen: immer wieder neu überzeugen, einladen, erklären und gleichzeitig kompromisslos bleiben.
Als Ensemble „nur" ein Klangkörper sein? Aus dieser Konvention ist das Ensemble S201 längst herausgewachsen. In „Side Street Show“ entwickelten wir zusammen mit den Tänzer*innen Alfonso Bordi und Kristin Schuster eine abendfüllende Performance, in der die Grenzen zwischen Instrumentalmusik, Performance und Genredenken zu verschwinden scheinen. In der Kollaboration entstand ein persönliches Werk, entsprungen aus den individuellen Interessen der Ensemblemitglieder: sei es Kung-Fu, Barockarien oder die Liebe zu Effektgeräten. Auch in „S201 moves" mit Milena Cestao Kolbowski und „Main Street Show" haben wir diesen Weg weiterverfolgt.
Die Suche nach Begegnungen, ungewohnte Kontexte und außergewöhnliche Konzerte sind gesteckte Ziele von S201. Deswegen wurde die Konzertreihe „S201 and friends“ ins Leben gerufen, um Genregrenzen aufzubrechen und Musiker*innen aus Jazz, Indie-Pop, Noise, Barock und weiteren Bereichen mit zeitgenössischer Musik zusammenzubringen. Im Zentrum steht dabei der kreative Austausch und die Vernetzung, insbesondere vor dem Hintergrund, dass genreübergreifende Konzertformate nach wie vor selten sind und Programme häufig streng nach Sparten kuratiert werden.
S201 geht auch noch einen Schritt weiter: Mit dem Langzeitprojekt Jukebox wird nicht nur der Rahmen, sondern auch die Form selbst zum Gegenstand des Experiments:
Die Jukebox, ein Musikautomat aus den 1940er Jahren, hat die Popkultur nachhaltig geprägt. Sie ermöglichte es den Menschen, in Bars und Treffpunkten eigenständig Musikstücke aus einer großen Auswahl zu wählen – auf Knopfdruck, ohne Umweg, ohne Vermittlung.
Inspiriert von dieser Idee hat S201 das Langzeitprojekt Jukebox ins Leben gerufen. Komponist*innen sind eingeladen, kurze Werke von 3 bis 4 Minuten zu schreiben – wobei diese Länge ernst gemeint ist. Kein Vorwand für eine Miniatur, kein Skizzenhaftes. Die Dramaturgie muss trotzdem stimmen, der Bogen gespannt sein. In diesen wenigen Minuten muss alles gesagt werden.
Das ist auch ein Gegenentwurf zu den üblichen Längen der Neuen Musik, die nicht selten zwischen 7 und 20 Minuten liegen. Nicht weil Kürze besser wäre – sondern weil sie andere Fragen stellt: Was ist wirklich notwendig? Was bleibt, wenn man nichts weglassen, aber auch nichts dehnen kann?
Das sind nur ein paar Beispiele aus den 10 Jahren. Unerwähnt blieben die vielen Einladungen zu Festivals, Gastspiele im In- und Ausland und natürlich weitere Konzertformate, die wir entwickelt haben. 10 Jahre sind möglich geworden, weil so viele Menschen diesen Weg mitgetragen haben. Danke.
Videoportraits
Robert Wheatley
Heni Kim
Filip Erakovic
Tamon Yashima
Dimitry Stavrianidi
Plakatgalerie
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